Michael Frank: Beschreibung des Mecklenburger Landes


Michael Frank: Beschreibung des Mecklenburger Landes (PDF)


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… Das Herzogthumb Meckelburg sampt der Graffschafft Schwerin, Rostock und Stargart sindt vorzeiten ungetheilte Herrschafften gewesen, ist ein sehr fruchtbahres Land und überflüssig an Korn und Holz, auch fischreich, viel Viehes und Wildprets, mit vielen großen und reichen Städten, Schlößern, Flecken und Dörffern wohlgezieret und gebauet, die ersten Einwohner deßelbigen Fürstenthumbs sindt genennet gewesen die Heruler oder Werrlen, sindt mit den Wenden unter eines Königes Regierung begriffen, daß ist soviel als Obotriten oder Gundtscharen oder Rottiren, ihre Abgötter sind erstlichen gewesen Teutones, welchen sie Menschen geopfert, darnach Radagast, welcher ein König bei ihnen gewesen, den haben sie stattliche Tempel aufgerichtet und seinen Bildniß einen Harnisch und Panzer angethan, und auf die Brust einen Ochsenkopf gesezzt.
Es ist aber dieß Volck, die Werrlen, ein streitbahres Volck gewesen, welche nie von den Römern überwunden worden, sondern haben viel Kriege helffen führen und auch selbst geführet, sind mit den Gothen unter andern Völckern die vornehmbsten gewesen, die Italien und Rom, Franckreich und Hispanien, auch Africam, Asiam und Europam bekrieget haben, und wiewohl Kayser Karl in die 30 Jahr Krieg geführet, hat er doch die Werlen für seine Freunde gerne gehabt und gehalten.
Die Wenden und Werrlen haben einen König gehabt, Antyrius genanndt, welcher einen Ochsenkopf und daß Pferd Alexanders Bucephalus im Schilde geführet, daher denn noch heute zu Tage die Fürsten zu Meckelburg wie auch die Rostock (!) einen Ochsenkopf mit weißen oder güldenen Hörnern führen, dieses haben sie zum Gedächtnis mit einer güldnen Kron des alten Königlichen Stammes ihnen von Kayser Carolen geschencket und privilegiret.
Die vornehmbste Städte sind gewesen Mecklenburg von dem griechischen Wort μεγαπολης, daß ist eine große Stadt, davon das ganze Landt seinen Nahmen, auch folgende Fürsten den Titul behalten, ungeachtet, daß es zu vielen mahlen verheeret und unerbauet liegen blieben. Es hat auch nicht allein Antyrius, sondern auch Billugus, der mächtige König der Werrlen und Wenden, ihren Königlichen Siz und Hoffhaltung darinnen gehabt. In dieser Landschaft ist auch nicht weit von der See Vineta auffgerichtet, welche eine herrliche Gewerbstadt ist gewesen, dahin aus India, Griechen, Reußen und Preußen Kauffmannswaaren bracht und verhandelt worden, welche auch durch ihre eigene bürgerliche Uneinigkeit, Krieg und Empörung durch den König aus Dännemarck gar in den Grund ist verderbet worden1.
Item Rhetra, da noch alte Uhrkundt und rudera einer feinen Stadt vorhanden, allda auch ein Tempel des Abgotts Radagast gewesen; diese Stadt soll sieben feste Thor gehabt haben, auch mit tiefen Graben und Mauren wohl verwahret, soll gelegen seyn in den stargartischen Lande nicht weit von einem großen See. Von den andern vornehmen Städten, darinnen ich kommen bin, will ich weiter melden folgende:

Von Rostock der Hauptstadt des Landes Meckelburges.

aus: Wanderung eines fahrenden Schülers durch Pommern und Meklenburg 1590, Mitgetheilt durch Dr. von Bülow, Staatsarchivar. in: Baltische Studien, Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Alterthumskunde, Dreißigster Jahrgang, Stettin 1880 S. 57-100 (darin: S. 81-83)

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1(31) Die gewöhnliche Erzählung von der Wunderstadt Vineta, nur an einen anderen Ort verlegt.

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