Gustav Oesten: Funde vom Mönchswerder bei Feldberg (Mecklenburg-Strelitz)


Gustav Oesten: Funde vom Mönchswerder bei Feldberg (Mecklenburg-Strelitz) (PDF)

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Abbildungen fehlen aufgrund mangelnder Qualität und werden später eingefügt.

Sitzung am 20. November 1880

Funde vom Mönchswerder bei Feldberg (Mecklenburg-Strelitz).
(Hierzu Taf. XV.)

Hr. E. Friedel legte eine Büchse aus Bronze (Taf. XV, Fig. Ia, Ib, Ic) vor, welche am oberen Rande 2 Oehre hat. Der genau anschliessende eingefalzte Deckel aus Bronze hat in der Mitte ein Oehr, welches mit den vorerwähnten correspondirt, so zwar, dass ein durch alle 3 Oehre leicht hindurchzusteckendes Stäbchen (welches übrigens fehlt), die Büchse fast hermetisch schloss. Der äussere Boden des Gefässes ist mit einem achtspeichigen Rade verziert, das wohl mit Emaille ausgelegt war. Höhe des Gefässes 2,5 cm, Durchmesser überall 7 cm. Vergl. die beiden Abbildungen a und b. In dem Gefäss, welches beim Pflügen auf dem Mönchswerder bei Feldberg, unweit der Templiner Kreisgrenze der Provinz Brandenburg, gefunden ward (vergl. Märk. Mus. Cat. II, Nr. 11 103), lagen 5 Spiralringe aus reinem Gold. Auf zwei derselben finden sich je 10 Einschnitte, hinter denen ein liegendes Kreuz (X) steht, vergl. Abb. c. In der Anthropologischen Ausstellung zu Berlin im August 1880 befanden sich einige ähnliche Büchsen. Vergl. Catalog S. 325, Nr. 111a: Golddraht und Blattgold in einer bronzenen Büchse. J.-K.-Nr. 845. F.-O. Beim Sprengen eines grossen Steines auf dem Schäferhofe bei Schwochow, Kreis Pyritz, aus der Sammlung des antiqu. Museums der Gesellsch. für Pomm. Gesch. und Alterthumskunde, und Catalog S. 338. Fundort: Hügelgrab bei Teetzitz, Insel Rügen, darin: 2 Bronzearmringe, Durchm. 6 1/2 cm, 1 Tutulus von Bronze, H. 4 1/2 cm und 1 Dose von Bronze mit 2 Henkeln, Durchm. 6 cm, 1 Bronzeschwert, L. 87 cm, 1 Messer von Bronze, L. 22 cm, zwei Schutznadeln und 1 Fingerring, ebenfalls Bronze, aus der Sammlung des Rittergutsbesitzers Spalding.

Hr. Friedel macht auf die eigenthümliche Vertheilung von Land und Wasser und mehrere bezeichnende Localnamen (Wartberg, Wodanswerder, Isern Port, Heiligen Werder, der Plattenberg, der Hünenwall, Hünenkirchhof, Hünenberg, Sassenort, der Schlossberg, der Haussee) in der Umgegend von Feldberg aufmerksam und verweist wegen der noch weiter heut von dem Subdirector der städtischen Wasserwerke, Hrn. Oesten, vorgelegten Urnen und Bronzen auf dessen Spezialbericht. –

Der in der Sitzung anwesende Hr. Oesten berichtete hierauf Folgendes:

„Die Umgegend von Feldberg in Mecklenburg-Strelitz, ca. 2 Meilen östlich von der Nordbahn, Station Blankensee, belegen, erhält ihren eigenthümlichen landschaftlich anmuthigen Charakter durch die zahlreichen und mannichfaltigen, tief eingeschnittenen Landseen, deren mit schönem Laub- und Nadelholz bestandenen hohen und steilen Ufer vielfach eingebuchtet sind und deren Wasser als Quellwasser ohne oberirdische Zuflüsse von ganz seltener Klarheit und Durchsichtigkeit ist. Die Anmuth der Landschaft wird dadurch nicht gestört, dass dieselbe auffallend stark mit erratischen Granitblöcken bedeckt ist, die stellenweise wallartig abgelagert sind und haushohe, mehr als 100 m breite Gletschermoränen bilden. Eine solche Gletschermoräne lässt sich auf fast meilenlanger Strecke deutlich verfolgen.

Diejenigen Punkte der Umgegend, welche mir bis jetzt in prähistorischer Beziehung aufgefallen sind, werden nach der vorliegenden Situationskarte (Holzschn. 1) leicht aufzufinden sein.

Zunächst ist der Mönchswerder zu erwähnen, eine weit in den Lucinsee herausgestreckte Halbinsel, deren Verbindungstheil mit dem Festlande sumpfiges Wiesenland bildet, während der Kopf derselben eine feste hügelartige Formation von ca. 20 Fuss Höhe über dem Wasserspiegel bei einigen Morgen Grösse besitzt. Auf diesem, noch heute „die Insel“ genannten Theil des Mönchswerders ist beim Ackern die Schmuckdose mit den Goldringen gefunden worden, welche jetzt im Besitz des Märk. Prov.-Mus. hier ist. Ausserdem hat man hier früher Stein- und Bronzewaffen und verschiedene Gegenstände gefunden, deren Verbleib nicht mehr zu ermitteln ist.  Bei einem flüchtigen Besuch der Insel bemerkt man Scherben von grobkörnigem Bruche auf denselben verstreut.

Der Insel gegenüber, auf dem hohen Ufer des Lucin, zum Theil auf dem Felde, grösstentheils aber im Walde, habe ich eine grosse Zahl von Hünengräbern gefunden. Es sind von Erde und Steinen aufgeführte ansehnlich grosse Hügel von sehr regelmässiger kegeliger Form. Eins derselben ist vor einigen Jahren abgetragen worden und sind darin Urnen und Bronzesachen gefunden, aber leider verzettelt worden. Ich habe die Absicht, im nächsten Jahre einige dieser Hügel zu öffnen und werde mir dann erlauben über den Befund zu berichten.

Eine gute Viertelstunde südwestlich von diesem Gräberfelde finden wir im Buchenwalde einen stattlichen Burgwall, jetzt Schlossberg genannt (Holzschn. 2). Derselbe liegt auf einem Vorsprunge des Steil-Ufers vom Lucin, sein höchster Punkt etwa 30-40 m über dem Wasserspiegel; nach der Landseite ist der Burgwall mit mehreren Abstufungen, Umwallungen und Gräben versehen, etwa nach nebenstehendem Querprofil, man findet auf demselben überall Scherben von grobkörniger Masse. Auf dem höchst gelegenen Theile desselben habe ich bis zu 4 Fuss Tiefe Scherben, Knochen und Kohle gefunden.

Ein anderer Schlossberg liegt unweit gegenüber bei dem Dorfe Fürstenhagen, am Ufer des Wozen, im Ackerlande, ohne erkennbare Umwallungen, scheinbar aus neuerer Zeit mit Scherben feinkörnigerer, härterer und dunklerer Masse. Von diesem Schlossberge bis nach dem sogen. „hilgen Wierl“, heiligen Werder, einer Halbinsel im Zanzen See, scheinen sich alte Ansiedlungen erstreckt zu haben. Das „hilgen Wirl“ hält Hr. Archivrath Beyer in Schwerin nach einer Abhandlung in den mecklenburgischen Jahrbüchern für den Ort eines Tempelheiligthums der wendischen Uckrer. Bei einer wiederholten äusseren Besichtigung habe ich nichts darauf Hindeutendes entdecken können. Der Sage nach sollen hier die heiligen weissen Pferde des heidnischen Volksstammes gehegt worden sein. Es ist zu bemerken, dass Konow, der Name des benachbarten Dorfes, zu dem auch das heilige Werder gehört, wendisch Pferdeort oder Pferdeau heisst. Nach Hrn. Beyer ist das heilige Werder der Tempelmittelpunkt des heiligen Hains gewesen, welcher im Westen durch die Seen, im Osten durch einen grossen Graben begrenzt war, der seinen Weg durch verschiedene kleine Seen und Brüche innerhalb des jetzt Preussischen Gebiets nahm, etwa wie in der Karte angedeutet ist. Dieser alte Graben hat im 16. Jahrhundert Veranlassung zu Grenzstreitigkeiten zwischen Mecklenburgern und Brandenburgern gegeben. Er wurde von den ersteren als Landesgrenze beansprucht und deshalb von dem herzoglichen Mathematiker Tilemann Stella 1575 aufgenommen und beschrieben, daher ist seine damalige Gestaltung bekannt. Die Stelle an der Ostspitze des Carwitzer Sees zwischen diesem und dem Mellen heisst noch heute die „Iser Purt“, die eiserne Pforte. Der Name des Dorfes Carwitz wird von wendisch Marwa, Vertheidigung, abgeleitet, und in der That sieht man auf dem Plan, dass es den Zugang zu dem von den Seen eingeschlossenen Terrain von Süden her beherrscht, da hier nur eine schmale bachartige Wasserverbindung zwischen dem Lucin und dem Carwitzer See besteht.

Auf der Carwitz gegenüberliegenden Landzunge befindet sich als hervorragendster Punkt der Warteberg, ein hoher Kegel mit terassenartig abgestufter Spitze und Steinpackung auf derselben.

Etwas weiter nördlich, unweit des sog. Hunnenwall oder Heunenwall nach der Karte des Tilemann Stella vom Jahre 1575, den ich für einen Theil einer Gletschermoräne halte, welche sich in südwestlicher Richtung fortsetzt, finden wir auf dem ca. 50 m hohen Steil-Ufer der Zanzen den sog. Hünenkirchhof, eine alte Erdumwallung mit eingesunkener Steinmauer oder Steinabdeckung, welche einen Flächenraum von etwa 10 Morgen umschliesst und in demselben verschiedene grosse Granitblöcke von auffallenden, plattenförmigen und dreieckigen Formen.

Das beachtenswertheste Ueberbleibsel vorhistorischer Zeit, das ich gesehen und zu erwähnen habe, scheint mir aber ein alter Pfahlbau im Carwitzer See zu sein, von dem gegenwärtig leider nur noch geringe Spuren vorhanden sind. Eine grössere Anzahl Pfähle sind jedoch erst in diesem Jahrhundert und noch in den letzten Jahren von den Fischern entfernt und werden die Standorte der letzteren von den Fischern noch genau angegeben. Hiernach und nach dem, was ich selbst von den noch vorhandenen Pfählen gesehen habe, kann ich nicht zweifeln, dass es die Reste einer Brücke sind, welche von beiden Seiten des festen Landes nach der mittleren der drei Inseln, welche den Zanzen vom Carwitzer See abtrennen, dem heute sog. Steinwerder, geführt hat. Wenn man die noch vorhandenen starken, eichenen Rundpfähle bei 7-8 m Wassertiefe sieht, die bis etwa 1 m unter Wasser abgewittert, bei ruhigem Wasser und passender Beleuchtung aber in dem klaren Wasser bis auf den Grund zu verfolgen sind und die Längenausdehnung der Brücke zusammen in den vier Zwischenräumen wohl 400 m ermisst, so muss man sofort erkennen, dass hier ein bedeutendes Brückenbauwerk bestanden hat, und dass die Insel, zu dem dasselbe geführt hat, ein Punkt von ganz besonderer Wichtigkeit gewesen sein muss.

Leider ist dieser Gegenstand, wie die Umgegend überhaupt, noch nie von berufener Seite besichtigt worden, denn auch Hr. Beyer hat seine ausführliche Abhandlung über die Gegend geschrieben, ohne selbst an Ort und Stelle gewesen zu sein, daher bezweifelt derselbe auch die Existenz der alten Brücke, von der ihm berichtet worden war. Auf dem Steinwerder ist nach der Sage früher oft nach Schätzen gegraben und sollen mancherlei Gegenstände, Waffen und Schmucksachen dort gefunden worden sein.

Vielleicht ist hier die Stelle des alten Rethra-Tempels gefunden, der ja nach der Beschreibung des Mönchs Thietmar von Merseburg im 11. Jahrhundert auf einer Insel in einem tiefen See und zwar auf der Westseite desselben gelegen haben und 2 Zugänge auf hölzernen Brücken gehabt haben soll, während der dritte Eingang des Tempels nach Osten nach dem offenen See gerichtet gewesen sein soll. Diese Beschreibung würde auf die hier vorliegende Oertlichkeit passen.

Ausser diesen genannten vorhistorischen Stätten habe ich noch ein grösseres Hügelgräberfeld in südwestlicher Richtung, etwa 1 Meile von Feldberg, gefunden. Drei der zahlreichen Hügel habe ich aufgegraben. In dem ersten, einem flachen, sehr regelmässigen Kegel untenstehender Form (Holzschn. 3), fand ich nichts als in 1,6 m Tiefe eine grau gefärbte Sandschicht, darunter den gewachsenen Boden.

In einem zweiten Hügel fand ich eine aus Granitplatten zusammengesetzte Steinkiste von 1,4 m Länge, 0,85 m Tiefe und 0,70 m Breite, wie untenstehender Querschnitt 1 : 100 (Holzschn. 4), dargestellt, mit einer festen Tenne aus Lehm oder Asche als Fussboden, der innere Raum war angefüllt mit feinem gelben Sand, Asche und Knochenstücken. Auf dem Boden am etwas breiteren Kopfende stand eine grössere Urne, Taf. XV, Fig. II, Fig. 1, mit Knochensplittern in der Mitte, rechts ein kleineres Gefäss, Fig. 2, ebenfalls mit Asche und Knochen, leider beider so durchwurzelt und mürbe, dass es mir nicht gelang, sie ganz heraus zu fördern und auch nicht sie nachher wieder zusammen zu setzen, links von der grösseren Urne lagen ein Bronzemesser und eine Bronzenadel.

Bei Nachgrabung in einem andern grössern Hügel fand ich eine zweite Grabkammer aus grossen Steinplatten zusammengefügt, mit untenstehend gezeichneten Abmessungen (Holzschn. 5 und 6); Seitenwände und Deckel je aus einem Stück, als Boden ebenfalls eine feste Lehmtenne. Der Raum inwendig war ebenfalls mit Sand, Asche, Knochensplitter angefüllt. Ausserdem standen am Kopfende 6 Gefässe, Taf. XV, Fig. II, 3-8, wie in der Skizze angedeutet. Fig. 4 in Fig. 3 und Fig. 6 in Fig. 5. Fig. 8, das Gefäss mit den 4 Füssen, konnte nur in Scherben zu Tage gefördert werden, ist aber einigermassen wieder zusammengeleimt worden. Der Querschnitt ist kreisförmig, sein Inhalt anscheinend ein Kugelabschnitt. Die 4 Füsse stehen aber nicht im Quadrat, wie sie der Form des Gefässes entsprechen würden, sondern je 2 haben einen geringeren Abstand, ungefähr wie bei einem vierfüssigen Thiere. Auch ruht das Gefäss nur auf 3 Füssen, während der vierte etwas kürzer ist, als die andern.

Oesten, Gustav / Friedel, Ernst: Funde vom Mönchswerder bei Feldberg, Sitzung am 20. November 1880, in: Zeitschrift für Ethnologie, 12. Jahrgang, 1880 (S. 308-313)

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