Ludwig Brückner: Rethra lag auf der Fischerinsel in der Tollense.


Ludwig Brückner: Rethra lag auf der Fischerinsel in der Tollense (PDF)

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Ueber die lage des berühmten wendischen Heiligthums Rethra sind bekanntlich schon vielfach Untersuchungen angestellt worden, und hat man über die Stelle, an der einst dasselbe stand, die verschiedenartigsten Meinungen ausgesprochen. In Folge der letzten Excursion, die der Neubrandenburger Alterthumsverein nach der Fischerinsel in der Tollense und nach Wustrow hin unternommen hat, ist es mir völlig zweifellos geworden, daß die Fischerinsel in der Tollense die Stelle von Rethra ist, und daß unter Rethra nicht ein größerer Ort, nicht eine allgemein bewohnte Stadt zu verstehen sei, wie man bis dahin immer angenommen hat, sondern daß Rethra nur allein der Tempel war, daß unter Rethra nur allein der Tempel zu verstehen ist, welcher ganz isolirt auf der Fischerinsel stand. Daß der Tempel von Rethra auf der Fischerinsel in der Tollense gestanden habe, hat schon Beyer1 ausgesprochen; aber nach seiner Ansicht gab es außer dem Tempel Rethra auch einen Ort, eine civitas, welche Rethra genannt wurde. Diese civitas soll das ganze Land Wustrow, das spätere Land Penzlin, umfaßt haben. Gegen diese Auffassung Beyers war Manches einzuwenden. Namentlich ist hervorgehoben worden, daß Beyer’s ganze civitas Rethra auf dem Festlande und im alten Gau der Tolenzer liege, während doch Rethra nach den Angaben der Chronisten eine rein insulare Lage hatte und im Gau der Redarier lag. Rethra war ein gemeinschaftliches Heiligthum der Tolenzer und Redarier. Es geht dies aus mehreren Stellen der alten Schriftsteller hervor. – Als im Jahre 1059 ein Krieg ausgebrochen war zwischen den einzelnen Stämmen der Wilzen oder Leuticier, kämpften auf der einen Seite die Kissiner und Circipanier und auf der anderen Seite die Tolenzer und Redarier.2 Die Veranlassung zu diesem Kriege war nach Helmold die, daß die Tolenzer und Redarier gemeinsam einen besonders hervorragenden Ehrenrang und die Oberherrschaft über die übrigen Slavenstämme beanspruchten, weil alle übrigen Stämme zu ihnen kämen wegen ihres hochberühmten Heiligthumes, in dem das Bild des Radegast verehrt wurde, wegen der dort ertheilten Orakelantworten und wegen der jährlich wiederkehrenden Opferfeste. – In Bezug auf die Lage von Rethra darf man demnach annehmen, daß das gemeinsame Heiligthum beider Volksstämme in der Nähe ihrer Grenzen gelegen hat. Wo die Gaue der Tolenzer und Redarier zu suchen seien, haben Lisch,3 Boll4 und Wigger5 übereinstimmend und sicher, hauptsächlich aus dem Wortlaut der Stiftungsurkunde des Klosters Broda, nachgewiesen. Nach ihren Ermittlungen wohnten die Redarier im nordwestlichen Mecklenburg-Strelitz; die Grenze gegen die weiter westlich wohnenden Tolenzer bildeten die Ufer der Tollense. Westlich vom Tollensefluß und vom Westufer des Sees war man im Lande Tolenz. Die Fischerinsel, welche wir für Rethra in Anspruch nehmen, lag also nahe der beiderseitigen Gaugrenze, die Insel selbst noch im Gau der Redarier, Wustrow am Westufer der Tollense schon im Gau der Tolenzer. Außer in Bezug auf ihre Lage im Redariergau, nahe der Grenze von Tolenz, stimmt die Fischerinsel nun auch in sofern mit den Angaben der Chronisten über Rethra, als sie eben eine Insel ist. Wie Adam und Helmold angeben, lag Rethra auf einer Insel und hatte neun Thore. Diese neun Thore scheinen die Veranlassung gegeben zu haben, daß man immer nach einer großen Stadt Rethra gesucht hat. – Aber eine solche Insel, daß auf ihr eine große Stadt, mit neun Thoren im Umkreise, gelegen haben könne, giebt es in keinem einzigen der Meklenburgischen Landseen, und am allerwenigsten im Lande der Tolenzer und Redarier. Es ist aber auch ganz entschieden ein Irrthum, wenn man annimmt, Rethra sei eine große Stadt gewesen. Es soll sogleich näher nachgewiesen werden, daß unter Rethra nur der Tempel zu verstehen ist, kein bewohnter Ort. Daß bewohnte Orte in der Nähe des Tempels lagen, ist selbstverständlich. Diese Orte waren aber nicht Rethra. In den Berichten der Chronisten, von denen keiner an Ort und Stelle war, die alle nur aus dem Gedächtnis niederschrieben, was andere ihnen mitgetheilt hatten, die keine klare Vorstellung von der Situation bei Rethra haben konnten, wird immer mit dem Tempel zugleich ein Ort (civitas, urbs) genannt. Diesen Ort haben fast alle Rethraforscher mit Rethra identifiziert und sind dabei auf große Schwierigkeiten in der Erklärung gestoßen. – Hält man aber den Tempel, der allein Rethra hieß, und den benachbarten Ort, den Thietmar Ridegost nennt, und unter dem Wustrow zu verstehen ist, auseinander, so wird Alles leicht verständlich. Daß unter Rethra einzig und allein nur der Tempel, und zwar ein völlig isolirt stehender Tempel zu verstehen sei, geht deutlich aus den Angaben der Chronisten hervor. Nach Adam von Bremen und nach Helmold lag Rethra auf einer Insel, zu welcher eine Brücke hinüber führte, über die nur denen der Zugang verstattet wurde, welche entweder opfern oder Orakelantworten ertheilt haben wollten. Pons ligneus transitum praebet, per quam tantum sacrificantibus aut responsa petentibus via conceditur. – Wenn den Einwohnern des Landes der Zugang nach Rethra hinein nicht allgemein und unbedingt jederzeit freistand, sie dasselbe nur unter gewissen Bedingungen betreten durften, wenn sie gottesdienstliche Handlungen verrichten wollten, so kann Rethra nur eine Tempelstätte gewesen sein, die nicht zugleich als Wohnplatz diente. Zu dieser Folgerung berechtigt unbedingt die Angabe, daß der Zugang über die Brücke nach Rethra nur denen verstattet war, die entweder opfern oder Orakelantworten vernehmen wollten. Diese für Untersuchungen über Rethra so wichtige Angabe ist fast durchweg unbeachtet geblieben oder fehlerhaft aufgefaßt worden. In Schröders Papistischem Mecklenburg wird die Frage aufgeworfen: “wie haben es denn die Einwohner selbst gemacht, wenn sie ihrer Geschäfte halber sich über den Graben hinausgemacht? Wie sind sie wieder hineingekommen?” – Die Beantwortung dieser Frage ist allerdings schwer, wenn man Rethra als einen bewohnten Ort auffaßt. Wenn aber Rethra kein bewohnter Ort war, nur der Tempel allein war, fällt jede Schwierigkeit fort. Es kann zur Aufstellung einer solchen Frage dann überhaupt nicht kommen.6 Daß nun unsere Auffassung, daß unter Rethra nur allein der Tempel zu verstehen sei, daß Rethra nur allein der Tempel war, die richtige ist, dafür spricht auch die Bedeutung, welche das Wort Rethra hat. Der Tempel von Rethra war nach Thietmar von ganz besonderer Bedeutung für Alles, was auf Krieg irgendwie Bezug hatte, namentlich für die kriegerischen Unternehmungen der Wenden. Er berichtet: Der alte, durch mannigfache Irrthümer betrogene heidnische Glaube behaupte, wenn etwa ein bedeutender kriegerischer Aufstand mit seinen wilden Schrecken drohe, daß dann bei Rethra aus dem See ein mächtiger Eber mit weißen, von Schaum umgebenen Hauern hervorkomme und im Schlamme sich wälze, furchtbar die Glieder schüttelnd. Rüsteten sich die Völker zum Kriege, so besuchten und begrüßten sie zunächst die Götterbilder in Rethra, kehrten sie siegreich zurück, so ehrten sie dieselben durch dargebrachte Geschenke. In Rethra wurden auch die Feldzeichen aufbewahrt, und nur, wenn es zum Kriege ging, von hier fortgenommen. Ueber den Ausgang des Kampfes weissagten die Priester theils durch geworfene Loose, theils durch das heilige Pferdl welches über zwei kreuzweise in die Erde gesteckte Wurfspieße hinweg geführt wurde.7 Waren die Vorzeichen günstig, so schritt man zur That, waren die Vorzeichen ungünstig, so wurde das Vorhaben aufgegeben. So hatte also Rethra in jeder Beziehung für Krieg und kriegerische Unternehmungen eine ganz besondere Bedeutung; es war der Kriegstempel der Wenden. Als von ganz besonderer Wichtigkeit und Bedeutung für unsere Untersuchung muß nun hier hervorgehoben werden, daß das Wort Rethra eben auch nur Kriegstempel bedeutet. Nach Schafarik8 heißt nämlich in der wendischen Sprache Kriegstempel “Ratara”, und da nun nach Jagic´9 das slavische a im deutschen nicht selten in ä umlautet, so ist der Uebergang von Ratara in Rethra leicht erklärlich. Es wird sogar dieser Uebergang um so augenscheinlicher, als bei uns der Uebergang des slavischen a gerade in e mehrfach nachzuweisen ist. So heißen z.B. die beiden in der Nähe von Neubrandenburg liegenden Orte, die jetzt Penzlin und Chemnitz genannt werden, noch in der Stiftungsurkunde des Klosters Broda “Pacelin” und “Caminiz”. – Mit a wird in dieser Urkunde auch der – dort als “Radver” bezeichnete – Redariergau geschrieben. Unter dem weitberühmten Rethra ist also der Kriegstempel zu verstehen, den die Volksgenossen nur zu gottesdienstlichen Handlungen betreten durften. Daß hiermit das Richtige getroffen ist, ergiebt sich auch daraus, daß der berühmte Name Rethra mit der Ausrottung des Heidenthumes völlig verschwindet, während doch so viele kleine unbedeutende Orte noch heute mit ihren alten wendischen Namen genannt werden. – Nach der Christianisierung des Landes und der Zerstörung von Rethra gab es eben keinen Kriegstempel mehr, kein Rethra mehr. – So erklärt sich einfach und ungezwungen das Verschwinden des Namens Rethra. Wäre Rethra ein bewohnter Ort gewesen, würde sich sein Name erhalten haben. Die vorgetragenen Erörterungen, welche an die Nachrichten von Adam und Helmold anknüpfen, werden hoffentlich schon überzeugt haben, daß Rethra nur allein der Tempel war, den die Eingeborenen nur bedingungsweise betreten durften. Hiervon wird man sich aber um so mehr überzeugt halten, wenn auch aus Thietmars Angaben ganz dasselbe hervorgeht. Auch aus seinen Angaben erhellt deutlich, daß der Zugang zum Tempel nicht allgemein jedem freistand; – daß der Tempel selbst eine völlig isolirte Anlage war, wird von ihm geradezu ausgesprochen. Thietmar berichtet von einem Orte, den er in Folge einer Verwechslung mit dem Hauptgötzen, der zu Rethra verehrt wurde, Ridegost nennt. Dieser Ort, von dem später noch genauer die Rede sein wird, hatte drei Thore. Zwei Thore standen, wie der Chronist sagt, allen zum Eingang offen. Damit ist also ausgesprochen, daß das dritte Thor nicht allgemein betreten werden durfte; aus diesem dritten Thore aber gelangte man zum Tempel. Das dritte Thor war, wie es in der Beschreibung Thietmars heißt, das kleinste, führte gegen Morgen hin auf einen Weg zum nahe liegenden See, und zu Dingen allzuschrecklich anzuschauen,10 d.h. der Weg führte hin zu der für den Christen schrecklichen Stätte des heidnischen Götzencultus. Daß hier auf der Stätte des heidnischen Götzencultus auch der Götzentempel stand, ist selbstverständlich. Auch nach Thietmars Angaben also ist der Weg zum Tempel, der aus dem kleinsten Thore hinausführte, nicht allen bedingungslos freigegeben; auch bei ihm finden wir einen deutlichen Hinweis darauf, daß das slavische Heiligthum, der Kriegstempel, Rethra, kein allgemein bewohnter Ort war. Daß der Tempel eine ganz isolirte Anlage war, wird von ihm ausdrücklich geradezu angegeben; an der Stelle, wo der Tempel stand, also an der Stelle des visu nimis horribile, der Stätte des Götzenkultus, war, – wie er sagt, – nil nisi fanum, nichts als der Tempel allein. Bevor wir nun den Nachweis führen, daß die Stelle, an der dieser isolirte Tempel gestanden hat, auf der Fischerinsel in der Tollense zu suchen ist, müssen wir noch die neun Thore, von denen Adam spricht, näher beleuchten. Rethra, sagt Adam, hat neun Thore, ist überall von einem tiefen See umgeben, eine hölzerne Brücke gewährt den Uebergang. Mit dieser Angabe geräth Adam in Widerspruch nicht nur mit Thietmar, der nur von drei Thoren zu berichten weiß, sondern auch in Widerspruch mit sich selbst, mit seinen eigenen Worten. – Nach seiner Angabe lag Rethra in einem tiefen See auf einer Insel, nach welcher eine Brücke hinüberführte, und zwar, was wohl zu bemerken ist, nur eine Brücke, nicht neun. Pons ligneus transitum praebet. – Es ist klar, daß Adams Angaben “neun Thore” und “eine Brücke” bei der insularen Lage von Rethra nicht recht miteinander vereinbar erscheinen. Jedenfalls kann die Insel Rethra die neun Thore nicht im Umkreise gehabt haben. – Wollte man annehmen, die neun Thore hätten am Ufer des Festlandes gestanden oder auf der Brücke hinter einander, so würden einer solchen Annahme die Angaben Thietmars widersprechen. Bei Thietmar vermitteln nur drei Thore den Zugang zum Tempel von Rhetra. – Daß diese drei Thore vorhanden sind oder vielmehr sich nachweisen lassen, wird sich herausstellen. Eins von beiden kann aber nur richtig sein, entweder vermitteln drei Thore den Zugang zu Rethra, oder neun. Mir ist es nicht zweifelhaft, daß die neun Thore Adams in das Reich der Fabel gehören, und durch eine poetische Uebertreibung, wahrscheinlich der drei Thore Thietmars, entstanden sind. Thietmar hat seine Chronik etwa 50 Jahre vor Adam geschrieben und sie dürfte dem letzteren nicht unbekannt geblieben sein. Wie kann es nun gekommen sein, daß Adam statt der drei Thore von neun Thoren spricht. Adam liebt es, seine Belesenheit zu zeigen. Sehr häufig citirt er Stellen aus alten Schriftstellern. Bei Erwähnung des Brückenüberganges über den See nach dem heidnischen Tempel Rethra kommt ihm eine Stelle aus Virgil11 in den Sinn, und im Anschluß an diese Stelle meint er, dieser Uebergang solle bedeuten, daß die verlorenen Seelen derer, welche den Götzen dienen, novies Styx interfusa cohercet, der neunfach fließende Styx umschließt. Diese Bedeutung hat der Uebergang über die Brücke bei der slavisch-heidnischen Bevölkerung sicherlich nicht gehabt und in sofern ist das Citat hier völlig unmotiviert; für Adam scheint aber der neunfach fließende Styx zu den neun Thoren die Veranlassung gegeben zu haben. Fassen wir das bisher Erörterte noch einmal kurz zusammen, so hoffe ich einestheils sicher nachgewiesen zu haben, daß Rethra kein bewohnter Ort, sondern, – wie es schon sein Name besagt, – nur allein der Tempel war, und anderentheils dargethan zu haben, daß auf die neun Thore Adams kein großes Gewicht zu legen ist. Wenn nun, wie ich behaupte, der isolirte Tempel von Rethra auf der Fischerinsel in der Tollense stand, so muß nachgewiesen werden, daß dort 1. slavische Reste vorhanden sind, und 2. daß die örtlichen Verhältnisse bei der Fischerinsel, Wustrow gegenüber, den Angaben der Chronisten vollkommen entsprechen. Daß slavische Reste vorhanden sind, ist mehrfach durch Untersuchungen dargethan worden. Im Jahre 1886 wurde bei Anlage eines Canals von Wustrow nach der Tollense eine alte Brücke entdeckt, die vor Zeiten von Wustrow nach der Fischerinsel hinüber geführt hat. Die Lage und Richtung der Brücke ist noch im Jahre ihrer Auffindung unter Leitung des Herrn Archivrath Schildt12 festgestellt worden, und hat derselbe ausführlich in unseren Jahrbüchern über die Untersuchung berichtet. Die Brücke wurde ihrer ganzen Ausdehnung nach durch die Wiese verfolgt, (wie es auf umstehender Karte angegeben ist). Die Brücke liegt jetzt 83 cm unter der Oberfläche der Wiese und fast ebenso tief unter dem Wasserspiegel der Tollense. Diese tiefe Lage ist eine Folge der Aufstauung der Tollense durch Anlage von Mühlen am Ausflusse des Sees bei Neubrandenburg. Die Brücke ist noch vollkommen wohl erhalten. Bei der Freilegung derselben in der Wiese sieht man querüber Planke an Planke liegen, die dann durch seitliche Längstplanken in ihrer Lage befestigt sind, wie es die Zeichnung angiebt. 001 Daß die aufgefundene Brücke, obgleich sie nicht bis auf die Insel hin verfolgt werden konnte, nach der Fischerinsel hinüber geführt hat, ist ganz zweifellos. Ein Blick auf den Situationsplan läßt dies sofort deutlich erkennen. Die Auffindung und Untersuchung der Brücke gab die Veranlassung, daß auf Anregung des Neubrandenburg. Alterthumsvereines am 4. Januar (korrigiert: Juni) 1887 nochmals eine Excursion nach der Fischerinsel und nach Wustrow hin unternommen wurde. Außer einer nochmaligen Angrabung der Brücke erstreckte sich die Untersuchung diesmal auf das ganze Terrain der Fischerinsel. Zur Zeit steht auf dieser Insel ein kleines, dem Fischereibetriebe dienendes Haus. – Spuren früherer Gebäude sind, wie die Aufgrabungen nachgewiesen haben, nur an zwei Stellen auf der Insel vorhanden. An der einen Stelle, – in der Wiese, nördlich von dem jetzigen Hause, – fand man Spuren eines mittelalterlichen Gebäudes. Man stieß nämlich in etwa 40 cm Tiefe hier auf ein Fundament von Feldsteinen und wurden in dem ausgehobenen Erdreich verschiedene Alterthümer aufgefunden.13 Slavische Sachen waren unter diesen Alterthümern nicht vertreten. Die ältesten Dinge, die hier gefunden wurden, waren, – wie z.B. ein aus blaugrauer, hart gebrannter Thonmasse bestehender Netzsenker – mittelalterlichen Ursprunges. Die zweite Stelle, an welcher Spuren früherer Bebauung nachgewiesen wurden, ist der Platz, auf dem jetzt das Fischerhaus steht. Hier kam man westlich und nördlich unmittelbar neben dem Hause, in einer Tiefe von 1 Meter und im Niveau des Grundwassers auf eine rostförmige Holzpackung von überkreuz liegenden, theilweise gespaltenen Stämmen. In dem ausgehobenen Erdreich wurden verschiedene Alterthümer14 gefunden, zuunterst über der rostförmigen Holzpackung ornamentierte Scherben von ausgeprägt slavischem Charakter. Auch die in der Wiese bei Wustrow aufgefundene Brücke, sowie auch der Rost, auf dem die Scherben gefunden wurden, sind zweifellos slavischen Ursprunges. – Aus vorslavischer, altgermanischer Zeit können diese im Sumpf liegenden Anlagen nicht herstammen, weil die alten Germanen Anlagen auf Höhepunkten vorzogen; ebensowenig können sie aber aus nachslavischer Zeit stammen, da sie jetzt unter dem Wasserspiegel der Tollense liegen, und bald nach der Christianisirung des Landes die Tollense durch Anlage der Mühlen zu ihrem jetzigen Niveau aufgestauet wurde. Es leidet keinen Zweifel, sowohl die Brücke in der Wiese bei Wustrow, als auch die rostförmige Holzpackung auf der Insel sind sicher Anlagen der Slavenzeit. Als ein ganz besonders wichtiges Resultat der Untersuchung muß man dann aber noch den Nachweis bezeichnen, daß auf der Fischerinsel von jeher nur eine eng umschriebene Stelle bebauet war, und daß slavische Reste nur an der Stelle des jetzigen Fischerhauses in der Tiefe über dem Rost gefunden wurden. Zur Slavenzeit ist sicher nur ein einziges Bauwerk auf der Insel vorhanden gewesen. Wenn nun die isolirte slavische Baustelle auf der Fischerinsel über dem Rost die alte Tempelstätte, die Stelle von Rethra, ist, so muß nachgewiesen werden, daß die örtlichen Verhältnisse bei der Fischerinsel, Wustrow gegenüber, den Angaben der Chronisten vollkommen entsprechen. Wir werden die Angaben der Reihe nach durchgehen und uns überzeugen, daß diese Uebereinstimmung vorhanden ist. Was zunächst die Angaben von Adam und Helmold betrifft, so war nach denselben: 1. Rethra überall von einem tiefen See umgeben; es lag also auf einer Insel. Daß die Stelle, die wir für Rethra in Anspruch nehmen, ganz dem entspricht, ist zweifellos. 2. Eine hölzerne Brücke führte nach Rethra hinüber. Das Vorhandensein dieser Brücke ist für unsere Lokalität sicher nachgewiesen. 3. Rethra lag im Gau der Redarier. Es wurde bereits angegeben, daß nach den Untersuchungen von Lisch, Boll und Wigger der Gau der Redarier im nordwestlichen Mecklneburg-Strelitz, dem Lande Stargard zu suchen ist. Daß hier im Lande Stargard Rethra lag, scheint auch noch im 16. Jahrhundert allgemein bekannt gewesen zu sein; wenigstens wird dies von Albert Krantz15, Michael Frank16 und Peter Lindenbergius17 ausdrücklich angegeben. Die Grenze zwischen den Gauen der Tolenzer und Redarier verlief nach den angestellten Untersuchungen zwischen Wustrow und der Fischerinsel am Seeufer, – von Norden nach Süden in der Richtung, wie sie in der punktirten Linie auf der Karte weiter geht. Westlich von dieser Grenzlinie war Gau der Tolenzer, östlich Gau der Redarier. Diese alte Grenzlinie markirt sich heute noch in mehrfacher Beziehung; westlich von der Linie ist Wustrower Gebiet, östlich Neubrandenburg, – westlich Mecklenburg-Schwerin, östlich Mecklenburg-Strelitz, – westlich der wendische Kreis, östlich Land Stargard. Die Insel in der Tollense lag sicher im Gau der Redarier, wie sie denn noch heute zum Lande Stargard gehört. 4. Rethra lag in einer Entfernung von vier Tagereisen von Hamburg. Daß dies für alle Punkte an der Tollense und Lieps zutreffen würde, ist wiederholt nachgewiesen. 5. Rethra hatte neun Thore. Ueber diese neun Thore haben wir uns bereits ausgesprochen; von den drei Thoren, die Thietmar kennt, wird sogleich die Rede sein. Die Nachrichten Thietmars sind vollkommen verschieden von dem, was Adam und Helmold über die Situation bei Rethra angeben, aber auch sie entsprechen vollkommen, und, – wie man sich überzeugen wird, – bis ins Kleinste genau den örtlichen Verhältnissen bei der Fischerinsel und Wustrow. Thietmar berichtet von einem Orte, von dem der Weg ausging, der nach der Stätte des heidnischen Götzencultus hinführte. – Dieser Ort, den Thietmar aus einer Verwechslung mit dem Hauptgötzen, der zu Rethra verehrt wurde, Ridegost nennt, kann, wenn Rethra auf der Fischerinsel lag, nur Wustrow gewesen sein. Von diesem Orte heißt es, er sei tricornis, dreispitzig, gewesen. Wie der Situationsplan zeigt, ist bei Wustrow zwischen den aufsteigenden Höhen, welche die Tollense umgeben, einerseits und andererseits dem Seeufer und der Wiese für eine Ansiedelung nur ein beschränktes günstiges Bauterrain vorhanden. Ebenes, ausreichend breites Bauterrain befindet sich nur in dem Thaleinschnitt, welcher sich zwischen die Höhen hinein erstreckt, und südlich von dem Thaleinschnitt längst des Fußes der Höhen. Auf diesem günstigen winkelförmigen Bauterrain stehen heute die Gebäude von Wustrow; sie stoßen bei der Mühle in spitzem Winkel zusammen. Der Winkel, den die Gebäude hier bilden, und die beiden Enden der Schenkel des Winkels geben dem Orte eine Figur, die ganz deutlich dreispitzig, tricornis, ist. – Eine gleiche Figur müssen der Terrain Beschaffenheit nach die Gebäude des Ortes zur Slavenzeit auch gebildet haben. Wie jetzt Wustrow tricornis erscheint, muß der Ort, der zur Slavenzeit hier stand, und den Thietmar Ridegost nennt, auch tricornis, dreispitzig, gewesen sein. Von diesem dreispitzigen Orte der Slavenzeit, heißt es nun bei Thietmar, er habe drei Thore gehabt. Die beiden größeren Thore standen allen zum Eingang offen; sie sind also landeinwärts zu suchen und müssen an den Schenkeln des Winkels gelegen haben. Das dritte kleinere Thor, welches, – wie Thietmar sagt, – gegen Morgen blicke, führte hin auf einen Weg zum “nebenliegenden” nahen See. – Man wird sich überzeugen, wie genau diese Angaben mit der Oertlichkeit stimmen. – Wie der Situationsplan zeigt, konnte bei Wustrow (oder Ridegost) nur von einem gegen Morgen liegenden Thore der Weg zu dem ganz nahe belegenen See ausgehen. Die örtlichen Verhältnisse decken sich hier vollständig genau mit den Angaben des Chronisten. Auf dem Wege, der zum See hinführt, – heißt es dann weiter, – gelangt man dann zu dem visu nimis horribile, zu der Stätte des heidnsichen Götzencultus. Daß diese Stätte auf einer Insel lag, wissen wir aus Adams Angaben. Der Weg zur Stätte der Götzenverehrung führte also aus dem kleinsten Thore gegen Morgen an den See, und über die Brücke nach der Insel. Nach Thietmar war vor dem kleinsten Thore nichts, als der Tempel ganz allein. Anders ist die allerdings etwas unklar lautende Stelle: “in eadem (porta) nil nisi fanum” nicht zu verstehen. Nachdem nämlich zuerst der Weg beschrieben ist, der aus dem kleinsten Thore hinausführte an den “neben liegenden” See, und zur Stätte der Götzenverehrung, auf welcher doch nur der Tempel gestanden haben kann, heißt es dann weiter, wenn man wörtlich übersetzen will: in diesem (dritten) Thore ist nichts, als ein Tempel. Aber in einem Thore kann man keinen Tempel erbauet haben.18 In Berücksichtigung aller Umstände kann der Sinn nur sein: vor diesem Thore ist nichts als en Tempel. Wenn nämlich klar angegeben wird, daß die Stätte der Götzenverehrung vor dem kleinsten Thore lag, so kann man auch hier nur den Tempel suchen, und nach dem, was Adam über die insulare Lage des Tempels berichtet, kann derselbe nur auf der Insel gestanden haben. Nun heißt es bei Thietmar: dort, wo der Tempel stand, war nil nisi fanum, nur der Tempel ganz allein. – Daß auf dem ganzen Wege durch die Wiese (über die Brücke) bis auf die Insel hin zur Slavenzeit nur ein einziges Bauwerk vorhanden war, hat unsere Untersuchung sicher dargethan. Es ist durch dieselbe ein sehr deutlich redender Beweis für die völlige Uebereinstimmung der in Rede stehenden Oertlichkeit mit den Angaben der Chronisten geliefert worden. Daß die so verschieden lautenden Berichte der Chronisten doch alle mit der ganzen Situation bei der Fischerinsel und Wustrow zusammenstimmen, und auch dem vollkommen entsprechen, was durch die Excursion ermittelt wurde, darin wird man jedenfalls ein schwerwiegendes Moment nicht verkennen für die Richtigkeit der Auffassung, die Fischerinsel sei die Stelle von Rethra. Dieser Auffassung entspricht auch das Wort “mare”, welche Bezeichnung Thietmar für den See gebraucht, zu dem der Weg aus dem kleinsten Thore hinführte. Da Rethra im Gau der Redarier und also im Binnelande lag, so ist unter dem mare jedenfalls ein Landsee zu verstehen, und wenn der Ausdruck wohl nicht ohne Absicht gewählt wurde, kann man nur annehmen, daß derselbe einen großen Landsee hat bezeichnen sollen. Der größte See im alten Redariergau und in ganz Mecklenburg-Strelitz ist die Tollense. Wir haben also auch in dem Ausdruck mare für einen Landsee einen Hinweis darauf, daß Rethra auf der Insel in der Tollense lag. Nach Thietmars Angaben soll der Ort, vor dessen kleinstem Thore der Tempel lag, von allen Seiten von einem großen Walde umgeben gewesen sein. Daß dieser Wald in seiner ganzen Größe bei der starken Lichtung unserer Wälder nicht mehr vorhanden sein kann, bedarf keines Beweises. Ansehnliche Reste des früheren Waldes umkränzen aber noch heute größtentheils die Ufer der Tollense. Schließlich sei noch bemerkt, daß Beyer darauf hingewiesen hat, die Insel, auf der Rethra stand, müsse am Westufer eines Sees liegen, weil man aus dem kleinsten Thore gegen Morgen an den See gelangte. Eine dem ganz entsprechende Lage hat die Fischerinsel; auch von ihr aus blickt man gegen Morgen auf den See und hat hier den größten Theil der Wasserfläche unmittelbar vor sich. In Uebereinstimmung mit den Berichten der Chronisten haben wir also für die Fischerinsel als Rethra ermittelt: eine Lage im Gau der Redarier, eine Lage an der Grenze zwischen Tolenz und Radver (dem Gau der Redarier), eine insulare Lage, eine Lage in einem großen See, eine Lage auf einer Insel am Westufer des Sees, eine Brücke slavischer Anlage, die nach der Insel hinüberführte, einen Ort am Festlande, von dem die Brücke ausging, der tricornis, dreispitzig, erscheint, eine Lage des Sees gegen Morgen von diesem Orte, so daß also das (kleinste) Thor dieses Ortes, welches auf den Weg zum See hinführte, gegen Morgen schaute, einen Weg, der gegen Morgen auf den See und (über die Brücke) auf die Insel zuführte, auf diesem Wege bis auf die Insel hin nur eine einzige Baustelle aus slavischer Zeit – auch von dieser Baustelle aus einen Blick gegen Morgen auf den See, slavische Reste auf der Insel, eine entsprechende Entfernung von Hamburg, Reste des großen Waldes, welcher einst den See umzog. Daß bei dieser so ganz entschiedenen und großen Uebereinstimmung, welche die Fischerinsel mit den Berichten der Chronisten schon allein der Lage nach hat, die Aufmerksamkeit nicht schon längst auf dieselbe hingelenkt wurde, ist nur dadurch zu erklären, daß man, befangen in der Idee, Rethra sei eine große und volkreiche Stadt gewesen, immer nach einer entsprechenden Oertlichkeit gesucht hat. Eine große Stadt war allerdings auf der Fischerinsel nicht unterzubringen. Deshalb verlegte auch Beyer, welcher bereits 1867 zu der Ueberzeugung gekommen war, daß der Tempel von Rethra auf der Insel in der Tollense müsse gestanden haben, seine civitas Rethra auf das Festland bei Wustrow. – Daß gegen diese Auffassung Manches einzuwenden war, ist bereits oben gesagt worden. – Wenn nun aber, wie ich bestimmt hoffe, sicher nachgewiesen zu haben, Rethra keine große volkreiche Stadt, sondern nur allein der Tempel war, dann ist die Uebereinstimmung der Fischerinsel mit den Angaben der Chronisten über Rethra jedenfalls so augenscheinlich und frei von Widersprüchen, daß man die sichere Ueberzeugung gewinnen muß, die Fischerinsel in der Tollense ist die Stelle von Rethra. Rath Dr. Ludwig Brückner-Neubrandenburg: Rethra lag auf der Fischerinsel in der Tollense, Separat-Abdruck aus den Jahrbüchern für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde LIV., Schwerin 1889

Digitalisiert durch: rethra.wordpress.com Anmerkungen:

1Beyer in Jahrb. des Vereins für Meklbg. Gesch. u. Alterthumskunde Band 32, S. 144 ff.: Seitenblicke auf Rethra und Arkona. – Band 37, S. 55 ff.: Die Landwehren und Grenzheiligthümer des Landes der Redarier. 2Vergleiche die Auszüge bei Wigger in Meklenb. Annalen S. 82 u. 83. 3Jahrb. des Vereins für Meklenb. Gesch. u. Alterthumskunde Theil 3, S. 11 ff. 4F. Boll, Gesch. des Landes Stargard, Theil 1, S. 17 ff. 5Dr. Friedr. Wigger, Meklenb. Annalen, S. 120. 6Wie Rethra, so scheinen auch andere slavische Tempelburgen für gewöhnlich unbewohnt gewesen zu sein. Saxo Grammaticus berichtet über Arkona, der Tempelburg des Swantevit: Dieser Gott hatte 300 auserwählte Pferde und ebenso viele Reiter. Diese machten aber nur zu Kriegszeiten die Besatzung der Burg aus. Während des Friedens war die Burg unbewohnt und nur verriegelt; man glaubte, sie bedurfte menschlichen Schutzes nicht, da Swantevit sich dann selbst bewache. Saxo nach E. Boll: Die Insel Rügen, pag. 25, da mir Saxo selbst nicht zur Hand ist. 7In ähnlicher Weise, wie zu Rethra, wurde auch zu Arkona, dem Tempel des slavischen Götzen Swantevit, die Zukunft erforscht. Sehr anschaulich schildert Saxo Grammaticus das Verfahren. “Zu Weissagungen wurde das Pferd auf folgende Weise gebraucht: Wenn man gegen ein Land Krieg beginnen wollte, so wurde vor dem Tempel eine dreifache Reihe von Spießen, von denen je zwei querüber verbunden waren, in gleicher Entfernung mit den Spitzen in den Boden gesteckt. Zu diesen wurde, wenn der Krieg beginnen sollte, das Pferd nach einem feierlichen Gebet von den Priestern geführt, und wenn es mit dem rechten Fuße zuerst über die Spieße hinüber stieg, so betrachtete man dies als ein günstiges Vorzeichen, schritt es aber auch nur einmal mit dem linken Fuße voran, so änderte man den Feldzugsplan. Es wurde keine Seefahrt unternommen, bevor man auf diese Weise drei günstige Vorzeichen erhalten hatte. …. Auch des Looses bediente man sich; man nahm dazu drei Holzstückchen, welche auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite schwarz waren, und warf sie in den Schooß; lagen sie weißen Seiten oben, so bedeutete dies Glück, die schwarzen Unglück.” Saxo bei E. Boll a.a.O. pag. 25-26. 8Vergl. Wigger, Annalen S. 119 (4). 9Jagic´, zur slavischen Runenfrage, S. 207. 10Die Stelle “tertia (porta) tramitem ad mare juxta positum et visu nimis horribile monstrat” übersetze ich ganz so, wie dies die beiden Gebrüder Boll gethan haben (vergl. F. Boll, Gesch. d. Landes Stargard, pag. 3, und E. Boll, Gesch. Meklenburgs, pag. 34). – Man hat visu horribile unmittelbar auf mare beziehen und dann übersetzen wollen: Das dritte Thor führte hin auf einen Weg zum nahen, schaudervoll anzublickenden See. – Der Anblick unserer Landseen gewährt aber liebliche, keine schaudervollen Bilder. – Es kann demnach nicht zweifelhaft sein, daß mit dem schaudervoll Anzublickenden (zumal, wenn der Chronist ein christlicher Bischof ist) nur der Platz des heidnischen Götzenkultus gemeint sein kann, den man von dem kleinsten Thore aus erblickte. Dies drückt auch die von mir acceptirte Boll’sche Uebersetzung deutlich aus. – Auch in der von Wattenbach herausgegebenen Uebersetzung der Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit wird das visu nimis horribile nicht unmittelbar auf mare bezogen. Die Uebersetzung lautet dort: Das dritte Thor weist hin auf einen Pfad zum Meere und gewährt einen gar furchtbaren Anblick. 11Virgil, Aeneis, VI, 439, und auch Georg., IV, 480 12Jahrb. f. Meklbg. Gesch. u. Alterthumskunde 52, S. 26 und 320 13Die Funde sind ausführlich namhaft gemacht in den Verhandl. d. Berl. anthropolog. Gesellschaft, 1887, pag. 497. 14Die einzelnen Fundobjecte finden sich der Reihe nach aufgezählt in den Verhandl. d. Berlin. Anthropolog. Gesellschaft, 1887, S. 497-98 15Albert Krantz, Vandalia, Anno 1519. 16Baltische Studien, 1880, S. 57. Die Nachrichten vom Jahr 1590. 17Chron. Rostoch. Lib. I, c. 8, pag. 35. Anno 1596. 18Man kann mir dies freilich bestreiten wollen und mir entgegen gehalten, unter porta könne auch ein Engpaß zwischen Hügeln oder Bergen verstanden werden; man spreche von einer porta Westphalica, und in der Nähe von Penzlin sei ein Schluchtweg, welcher “isern Purt” genannt werde; in derartigen Thoren könne man sich wohl einen Tempel erbauet denken. Aber an ein solches Thor kann sicherlich nicht gedacht werden, wenn von einer Stadt mit drei Thoren, und speciell von einem Thore dieser Stadt die Rede ist, welches unmittelbar am Wasser lag. Die fragliche Stelle bei Thietmar hat wegen ihrer Unklarheit zu verschiedenen Conjecturen Veranlassung gegeben. Man hat statt portae “partes” lesen wollen, und übersetzt: in diesem dritten Theile (der Stadt) ist nichts als ein Tempel. Ich habe vermuthet, es könne statt eadem “eodem” (tramite) heißen: auf diesem Wege ist nichts als ein Tempel. Ich habe mich dann in Dresden, woselbst sich der Codex befindet, der von Thietmars eigener Hand geschrieben sein soll, über die Lesart des Ur-Textes erkundigt und in Erfahrung gebracht, daß deutlich zu lesen ist portae und in eadem. Man muß sich also mit dieser etwas unklaren Lesart abfinden. In Berücksichtigung aller Umstände kann man aber die Stelle nur verstehen “vor diesem Thore”.

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