WIENECKE/1939, 1940/STETTIN


Autor: Erwin Wienecke
Jahr: 1939, 1940
Ort: Stettin
Bibliografische Angaben: Wienecke, Dr. Erwin: Untersuchungen zur Religion der Westslawen, Forschungen zur Vor- und Frühgeschichte, 1. Heft Hg. Leonhard Franz, Otto Harrasowitz, Leipzig 1940 (1939 bereits als Dissertation erschienen)

Kurzvorstellung:
Erwin Wienecke geht in seiner Untersuchung zur Religion der Westslawen mehrfach auf Rethra ein.
Aufgrund der diffusen Quellenlage benutzt er den Begriff “Rethra-Riedegost” für das Heiligtum. Als neue Quelle bei der Betrachtung der Rethra-Frage führt Wienecke den “Monachus Prieflingensis” mit einer ausführlichen Beschreibung des heidnischen Heiligtums in Stettin ein.
Wienecke erwähnt in der umfangreichen Anmerkung 13 erstmals Gründe, die dafür sprechen, dass Rethra sich in Stettin befunden haben könnte (in: § 27 Die Tempelanlage zu Rethra-Riedegost S. 217-226). 1. Küstennähe, 2. die Nichterwähnung Stettins bei Thietmar von Merseburg, der Hauptquelle zu Riedegost, 3. die Ähnlichkeit der Beschreibungen beider Heiligtümer (u.a. Rossorakel), 4. die von Chronisten erwähnte “Dreihügeligkeit” von Stettin und den zwei bis vier Heiligtümern der Stadt, deren Bezeichnungen in den von Wienecke zitierten Quellen anonym bleiben (Monachus Prieflingensis und Herbord – in: § 35 Das Heiligtum zu Stettin, S. 240-241), sowie 5. die Ähnlichkeit des “tricornis (dreihörnig)” bei Thietmar, mit dem Gott “Triglaw (‚der Dreiköpfige‘)” bei den Quellen zu Stettin. Wienecke sieht den Triglaw dabei als “mißverstandene topographische Bezeichnung” an und bestreitet grundsätzlich die Mehrköpfigkeit slawischer Götterbilder (in: § 39 Triglav (Tiarnaglofi) S. 262-263), während er “Zuarasic” als eigentliche Bezeichnung der Gottheit annimmt (in: § 38 Zuarasic (Svarozic) S. 260-262). Zu der an sich verlockenden und logischen Schlussfolgerung Wieneckes, muss jedoch seine ideologische Voreingenommenheit erwähnt werden, die manchen klaren Blick, den er ansonsten unzweifelhaft besitzt, trübt. Wienecke bestreitet so, offenbar maßgeblich aus ideologischen Gründen, die Vielköpfigkeit der Götter bei den Slawen, lehnt einen Tempelkult außerhalb des nördlichen westslawischen Raumes bei den Slawen ab, führt alles was er nicht fassen kann auf “germanische Einflüsse” zurück, und hält die Möglichkeit einer eigenständigen slawischen Entwicklung für ausgeschlossen. Für die ideologische Vorbelastung – die im Verhältnis zu den konstruktiven Gedanken Wieneckes dennoch in recht überschaubarem Rahmen bleibt – ist auch prägend, dass Wienecke ostslawische Quellen nur an jenen Punkten hinzuzieht, an denen es für ihn passt, an anderen hingegen, wo sie seinen Ansichten widersprechen, lehnt er sie kategorisch ab (siehe: § 36 Folgerungen aus der Betrachtung des Tempelkultes bei den nördlichen Westslawen, S. 241-256).

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