DRALLE/1984/GROßER STECHLINSEE


Autor: Lothar Dralle
Jahr: 1984
Ort: Großer Stechlinsee
Bibliografische Angaben: Dralle, Lothar: Rethra, Zur Bedeutung und Lage des redarischen Kultortes, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Band 33, Colloquium Verlag, Berlin 1984 S. 37-61

Kurzvorstellung: Lothar Dralle behandelt in drei Abschnitten die Richtung, welche die Rethra-Forschung bislang eingeschlagen hat, die Rolle des Kultes in Bezug auf Rethra, sowie die Lokalisierungsfrage, bei der er eine eigene Hypothese zur Lokalisierung am Großen Stechlinsee vorschlägt.
Bei der Rethra-Forschung sieht Dralle bislang oft “kühne Schlüsse quellenmäßig belegbare Tatsachen ersetzen”. Behauptungen einer theokratischen Regierungsform bei den Lutizen, bzw. die Rolle Rethras als eines politischen Steuerungsorgans, stellt er in Frage. Im Folgenden setzt er sich recht ausführlich mit der Bedeutung des heidnischen Kultes auseinander, wobei er vergleichend auch Befunde aus Osteuropa hinzuzieht. Sieht die Möglichkeit, dass die Redarier versucht haben, einen zentralisierten gesamtwestslawischen Kult zu schaffen, quasi als Abbild des Christentums, was jedoch scheiterte. Die Rolle des Kultes hält er weniger im politischen Eingreifen für bedeutsam, als in seinem Mobilisierungspotenzial.
Bei der Frage der Lokalisierung, die Dralle seit dem 14. Jahrhundert gestellt sieht, stützt er sich vor allem auf die Angabe Adams von Bremen, dass Rethra 4 Tagereisen von Hamburg entfernt gelegen hätte. Im Einzelnen geht er aber auch auf den Anteil von Wild- bzw. Haustierknochen bei archäologischen Funden ein (womit er auf die Vermutung eingeht, dass das “Tierhörnerfundament” von Rethra auf einen hohen Jagdanteil bei der Ernährung schließen lässt) sowie die unklare Grenzbestimmung bei den Stämmen der Redarier und Tollenser. In der Etymologie des Stammesnamens der Redarier lässt Dralle die Möglichkeit offen, dass es sich nicht um eine Siedlungs- sondern um eine Kultgemeinschaft gehandelt habe. Dies wird u.a. durch das quellenmäßig suggerierte Machtvakuum ab dem 10. Jahrhundert gestützt.
Zum Abschluss führt Dralle die Gründe an, die ihn Rethra bei dem Großen Stechlinsee vermuten lassen. Nach seinen vorherigen Ausführungen müsste Rethra auf der Linie Wittstock-Fürstenberg gesucht werden. Hier, in der Nähe des Großen Stechlinsees gibt es Ortsnamen wie Lutterow oder Raderang, die Dralle in Bezug zu dem Forschungsthema bringt. Er schließt seinen Beitrag mit dem Wunsch einer stärkeren archäologischen Aufarbeitung dieses Gebietes.

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